Winziges Rehkitz und ausgewachsener Dachs

05. Juni 2012

Der letzte Samstag war ein Tag voller Begegnungen – Begegnungen mit wilden Tieren, die man nicht alle Tag sieht und die doch immer in unserer Nähe sind. Zumindest, wenn man auf dem Land lebt wie bei uns im Allgäu. Tagsüber hatten wir unsere Pferde auf ihre Sommerweide gebracht, hier werden sie die nächsten zwei Monate bleiben. Übrigens geschieht dies aus dem gleichen Grund, aus dem auch das Vieh auf die Alpen kommt: Hier stärken die Tiere ihre Widerstandskräfte, werden geländegängiger und robuster und noch dazu spart man zuhause das Futter.

Aber zurück zu den wilden Tieren. Als wir den Zaun der Sommerweide kontrollierten, sahen wir plötzlich ein Rehkitz im hohen Gras liegen. Winzig, höchstens ein oder zwei Wochen alt. Das war sooooo süß…. Wir hielten Abstand, um es zu beobachten und schlichen dann wieder ganz leise davon. Auch wenn unsere Tochter dies vielleicht noch nicht versteht, erklärten wir ihr später, dass man ein Rehkitz auf gar keinen Fall anfassen darf, da seine Mutter es sonst nicht mehr annimmt. Es ist übrigens völlig normal, dass die Ricke ihre Jungen tagsüber im hohen Gras versteckt und alleine auf Streifzug geht. So schützt sie die Kleinen vor Fressfeinden. Leider hat das auch zur Folge, dass zahlreiche Kitze den Maschinen beim Mähen zum Opfer fallen. „Unserem“ Kleinen aber geht es gut: Später konnten wir aus einiger Entfernung beobachten, wie die Mutter ihr Junges an einen anderen, sicheren Ort brachte. Bestimmt hatte sie gesehen, dass wir in der Nähe waren….

Kurze Zeit später saß auch noch ein anderes Tier direkt vor uns auf dem Weg: ein ausgewachsenen Dachs. Das war ein ganz schöner Brocken – mit großen Augen sah er uns an, um dann gemütlich im Unterholz zu verschwinden. So nah hatten wir einen Dachs zuvor noch nie gesehen – außer einmal direkt vor unserem Auto auf der Straße. Zum Glück konnte ich damals im letzten Moment ausweichen.

Daheim angekommen ging es mit den Tierbegegnungen gleich weiter. Unser Nachbar hatte auf den Anrufbeantworter gesprochen und fragte, ob wir ihm eine alte Flasche unserer Tochter geben könnten – er versuche, ein Hirschkalb zu retten. Es war nämlich genau das eingetroffen, was wir nachmittags unserer Tochter noch erklärt hatten: Ein Hirschkalb war aus seinem Versteck auf eine Viehweide gerutscht und von zwei Kälbern geärgert worden. Ein „hilfsbereiter“ Spaziergänger packte es und legte es auf die andere Seite des Zauns.
Dort rief es dann nach seiner Mutter. Unsere Nachbarn beobachteten das Drama einen Tag lang, aber die Ricke kam nicht, weil sie wahrscheinlich den Geruch des Menschen wahrgenommen und das Kleine verstoßen hatte. Unsere Nachbarn legten das Hirschkalb in ein Heubett und versuchten auf die Empfehlung eines befreundeten Jägers hin, es mit einer Mischung aus Kuh- und Kondensmilch zu füttern. Erst mit Hilfe einer Spritze, später mit unserer Flasche. Aber nichts half – das Kalb war wahrscheinlich schon zu lange von seiner Mutter getrennt und trank nicht mehr. Das ist zwar eine traurige Geschichte, aber umso wichtiger ist es, sich wilden Tieren gegenüber richtig zu verhalten. Mein Appell: Ein im Gras liegendes Rehkitz oder Hirschkalb darf man nie anfassen! Sinnvoll ist höchstens, es zu beobachten und einen Tag später noch mal vorbei zu kommen. Wenn es dann nicht mehr da ist, hat die Mutter es garantiert abgeholt.

Meine Empfehlung: Halten Sie die Augen offen – vielleicht sehen auch Sie in Ihrem Allgäuurlaub das ein oder andere wild lebende Tier!

Eine Antwort zu “Winziges Rehkitz und ausgewachsener Dachs”

  1. Doris sagt:

    Ich habe gestern Abend, so gegen 23Uhr in Kornau (OT von Oberstdorf)
    einen Fuchs und einen Dachs gesehen.
    Die beiden waren ganz nah beieinander.
    Als sie mich und meinen Hund sahen sind sie nach ganz kurzer Bedenkzeit weggelaufen.

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