Senn auf Zeit – Tag drei

05. Juli 2012

Morgens um fünf in den Allgäuer Bergen

Am Abend des zweiten Tages fahren Mathias, Markus und ich zur Alpe Hinteregg. Die dortige Sennfamilie hat uns zu einem gemütlichen Beisammensein eingeladen. Die Hütte ist wunderschön gelegen, mit einem faszinierenden Bergblick auf die Oberstdorfer Berge und auf Teile der Hörnerkette. Nach einer herzlichen Begrüßung durch Vater, Mutter und Sohn, werden wir in die Stube geführt. Ein urgemütlich eingerichteter Wohnraum mit einer Art Dachschräge. Unter dieser, mit Holz verkleideten Zimmerschräge, ist ein Sofa aufgestellt. Dieses kann als Sitz- oder Liegemöglichkeit genutzt werden und lässt in der Stube ein gewisses Berghütten- Flair aufkommen. Die Hauskatze unterstreicht diese Atmosphäre, indem sie sich schlafend, auf dieser Sitz- und Liegemöglichkeit, herumlümmelt.Die Hausherrin kredenzt einen großen, zünftigen Brotzeitteller mit Schinkenspeck, Bergkäse, Kaminwurzen, Hirschsalami und Kräuter-Frischkäse für uns alle. Die Produkte sind, wie so oft im Allgäu, aus der Region und von bester Qualität. Mit einem Bier in der einen Hand und einer Kaminwurzen in der anderen Hand, entwickeln sich Gespräche über „Gott und die Welt“. Mit einem besonderen Dankeschön, für die großzügige Bewirtung, verabschieden wir uns gegen 1.00 Uhr nachts und fahren zurück zur Alpe Ornach. Auf der Heimfahrt schwant uns, dass der kommende Tag ein anstrengender werden würde.

4.00 Uhr morgens. Direkt unter meinem geöffneten Fenster kräht der Hahn am fortlaufenden Band, irgendwie schriller und vor allem früher als sonst. Na ja, er kann ja nicht wissen, wie wenig Schlaf ich die Nacht über hatte.Heute bin ich der Erste, duschen werde ich erst nach dem Frühstück, also anziehen, Zähneputzen und hoch auf die Bergwiese. Heute bin noch vor dem Hirten Markus da. Von Mathias ist noch nichts zu sehen. Als ich anfange, die ganz oben platzierten Kühe einzusammeln und nach unten bewege, kommt auch Markus mit dazu. Wenig später taucht Mathias auf und nimmt die ersten Euter mit vier Beinen in Empfang, um diese weiter nach unten, Richtung Stall, zu begleiten.

Am Ost- Firmament erscheint der Himmel in den schönsten rot und blau

-Pastelltönen; die Sonne geht langsam auf. Die Allgäuer Berge Grünten und Aggenstein umrahmen sie und geben ihr hierzu ein fürstliches Geleit. Der komplette Allgäuer Hauptkamm mit den gewaltigen Obersdorfer Bergen zeichnet sich immer deutlicher vor diesem imposanten, leuchtenden, mittlerweile rötlich- gelben, Hintergrund ab. Ich vergesse, dass ich eigentlich bei der Arbeit bin und genieße dieses morgendliche Schauspiel in vollen Zügen. Nach ca. einer Stunde sind schließlich alle Kühe unten im Stall und warten darauf gemolken zu werden.

Für kurz nach 9.00 Uhr haben sich Rundfunk und das Fernsehen angesagt. Der Bayrische Rundfunk will eine Kurzreportage über den“ Senn auf Zeit“ drehen. Sendezeit ist Freitag, der 06.07.2012 ab 17.30 in der Abendschau. Hinzu kommen Interviews im Allgäuer Regionalsender RSA sowie in weiteren regional erscheinenden Zeitungen und Blättchen.

Gefilmt wird der Tagesablauf eines Senns ab ca. 9.00 Uhr bis ca. 16.30 Uhr, mit all seinen umfassenden Facetten. Die täglichen Arbeiten in Stall, Käseküche, Käsekeller, auf der Wiese, im Heuschober usw. werden dokumentiert. Mathias und ich geben Interviews am laufenden Band. Als schließlich gegen halb fünf der letzte Reporter mit der Hörnerbahn nach unten fährt, tritt bei allen eine gewisse Erleichterung ein. Endlich ist er vorbei, dieser Anflug von Hektik auf der Alpe Ornach.

 

 

 

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