Schreitbagger, die wie riesige Wasserläufer aussehen

01. Oktober 2013

Das sieht schon irre aus, wenn man sich derzeit durchs Bautagebuch der Hörnerbahn im Internet klickt! Da wird tonnenweise Stahlseil geliefert, riesige Metallkonstruktionen werden den Berg hinauf gebracht, Helikopter kreisen mit Getriebe-Trägern überm Gipfel und Krane, Baumaschinen sowie Menschen montieren Liftanlagen in einem Gelände, das auch für versierte Wanderer eine Herausforderung darstellt. Hintergrund der umfangreichen Baumaßnahmen: Die Hörnerbahn investiert in ihre Zukunft. Auf 8,5 Millionen Euro beläuft sich die Modernisierungsoffensive im Skigebiet von Bolsterlang. Hauptzielsetzung, wie die Bergbahnbetreiber erzählen: Kürzere Wartezeiten für die Skifahrer an den Liften, mehr Komfort und Sicherheit während der Fahrten.

Der fast 45 Jahre alte Schlepplift auf den Weiherkopf wird hier für achteinhalb Millionen Euro durch eine moderne Sechser-Sesselbahn ersetzt, bis zu 2500 Personen pro Stunde können dann befördert werden. Für zusätzlichen Komfort sollen „Bubbles“ sorgen – so nennen sich spezielle Plexiglasvorrichtungen zum Schutz der Fahrgäste vor Wind, Regen und Schnee. Gleichzeitig wird die Beschneiung im Skigebiet weiter ausgebaut, es werden zusätzliche Parkplätze geschaffen, die Pisten werden optimiert und die Sanitäranlagen im Tal erneuert. Und: Beim „Dorflift“ entsteht ein zusätzlicher Tellerlift, um Wartezeiten zu verkürzen.

Jetzt aber endlich ein Blick ins Bautagebuch der Hörnerbahn. Mitte Juni ist es dort soweit – die ersten Bagger rollen an und die Baufirmen legen mit den Erdarbeiten für die neue Weiherkopfbahn los. Beeindruckend: Das Bild eines Riesen-Krans, der sich langsam den Weg hinauf auf den Berg schiebt. Ebenso mächtig: ein Riesen-Betonbrecher. Der Abriss der alten Talstation am Weiherkopf verläuft zügig, zu sehen ist, wie ein Bagger mit ganz schöner Wucht die Schaufel ins Dach sausen lässt. Fleißige Mitarbeiter machen’s möglich, dass im Juli die letzten alten Stützen abgebaut sind. Beton, Beton, Beton muss nun angeliefert werden fürs Fundament der neuen Stützen, aber auch für die neuen Bauten im Tal und am Gipfel. Und immer wieder kreisen Hubschrauber über dem Gebiet der Bergbahn, die Piloten vollbringen bei der Materialanlieferung echte Glanzleistungen! Mein persönliches Lieblingsgerät bei Bergbauarbeiten ist ja übrigens der so genannten Schreitbagger – irgendwie erinnert er mich mit seinen stelzigen Beinen an Wasserläufer, nur dass die Tierchen natürlich viel, viel kleiner sind…

Am 15. Juli können sich die Einheimischen zum ersten Mal davon überzeugen, wie hübsch die künftige Sechser-Sesselbahn mit „Bubbles“ aussehen wird, denn: Der erste „Werbesessel“ erreicht Bolsterlang. Inzwischen steht er als Blickfang am Fischinger Ortseingang. Am 19. Juli werden die ersten Stützen angeliefert – die steile Straße sieht nach einer echten Herausforderung für die Schwertransportfahrer aus! Gräben werden gebuddelt und Kabel verlegt; Betonfundamente geschaffen, erste Stützen-Joche zusammengeschraubt und aufgestellt; Tal- und Bergstation wachsen erstaunlich rasant aus dem Boden.

Seit 14. August stehen alle Stützen am richtigen Platz – man kann sich das zukünftige Skigebiet schon hervorragend vorstellen. Und auch die Weiherkopf-Bergstation nimmt in den folgenden Tagen Form an – jetzt sieht das Ganze aus wie eine echte Sesselbahn! Vor allem aber lohnt meiner Ansicht nach der Blick ins Bautagebuch am 4. September: Die neue Bergstation steht – im Gegenlicht vor strahlend blauen Himmel ist sie ein echter Hingucker! Zwei Wochen später fällt am Weiherkopf-Gipfel der erste Schnee. Schaut man sich das Foto an, würde man am liebsten auf der Stelle die Skier anschnallen… Die Bauarbeiter der Hörnerbahn lassen sich vom frühen Winterboten übrigens nicht vom Arbeiten abhalten, statt am Gipfel arbeiten sie einfach umso intensiver an der Talstation weiter.

Und wie geht es nun weiter? Nun, genauso zügig wie bisher, würde ich vermuten, denn: Spätestens Anfang Dezember müssen sämtliche Arbeiten in den Skigebieten abgeschlossen sein. Geplanter Saisonstart ist am 7. Dezember. Ich freue mich jetzt schon auf meinen ersten Winterausflug ins Oberallgäu, um mir das Ergebnis der millionenschweren Investitionen selbst vor Ort anzuschauen!

Spannend dürfte dann auch ein Besuch der Bergbahnen Ofterschwang-Gunzesried sein, die übrigens am gleichen Wochenende in den Winterbetrieb starten. Denn: 16 Millionen Euro fließen hier in neue Liftanlagen. Erste Hauptneuerung: Von Gunzesried aus können Gäste ab der Wintersaison 2013/14 – statt wie bisher mit Doppelsesselbahn und Ossi-Reichert-Schlepplift – bequem mit Kabinenbahnen für bis zu acht Personen bis zur Bergstation hinter dem Weltcup-Express fahren. Wer möchte, kann auf Höhe des Allgäuer Berghofs an der Mittelstation zu- oder aussteigen. Ersetzt wird zudem der Schlepplift zum Gipfel durch eine Sechser-Sesselbahn mit Hauben. Und: Nahe der Bergstationen des Weltcup-Express und der Ossi-Reichert-Bahn entsteht ein neues Kinderland.

2 Antworten zu “Schreitbagger, die wie riesige Wasserläufer aussehen”

  1. H. Koch sagt:

    Leider werde ich nach vielen Jahren, in denen ich immer Urlaub in Fischen und Obermaiselstein gemacht habe, als gebürtiger Allgäuer, nicht mehr kommen.
    Warum müssen immer mehr und größere Lifte gebaut werden? Dazu immer mehr Schneekanonen, mit einem enormen Energiebedarf.

    Ich suche mir ein neues Domizil, das es sicher noch gibt.

    Schade!

    • Sehr geehrter Herr Koch,
      vielen Dank für Ihren kritischen Kommentar. Investitionen in Skigebiete haben nicht immer mit mehr und größeren Liften zu tun. Nicht selten steht dabei ein Mehr an Komfort im Mittelpunkt. Mehr Bequemlichkeit für Skiläufer ist nicht immer gleichbedeutend mit mehr Schaden für die Umwelt und mehr Verbrauch an Energie. Neue Techniken reduzieren den Energiebedarf. Ökonomie und Ökologie schließen sich nicht grundsätzlich aus. Wir haben Verantwortung für Mensch und Natur, dieser Verantwortung haben wir auch gerecht zu werden.
      Herzliche Grüße aus den Hörnerdörfern
      Michael Redecker

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