Schellengeläut und dumpfes Trampeln

14. September 2012

Kranzrind beim Viehscheid in Obermaiselstein in den Hörnerdörfern.

Als ich heute Morgen das Radio anschaltete, war es da – das Allgäu, mitten in meinem Würzburger Badezimmer. Während der Moderator vom Balderschwanger Viehscheid erzählte, dachte ich mir: Schön wäre es, jetzt in den Bergen zu sein! Denn mich als Fränkin faszinierten in meiner Zeit als Redakteurin im Allgäu vor allem: Brauchtum ist im Allgäu nichts künstlich Erhaltenes. Vielmehr lebt die Bevölkerung ehrlich und voller Überzeugung mit den Traditionen, die ihnen die Vorfahren weitergereicht haben. Und auch, wenn zu Viehscheiden heute nicht nur Einheimische kommen, sondern auch viele Urlauber und Gäste anreisen, ist die Verbundenheit der Bevölkerung zur Natur, den Bergen und dem Wissen der Ahnen ebenso zu spüren wie der ehrliche Stolz auf die heimatlichen Traditionen. Der Viehscheid ist und bleibt der höchste Feiertag für Älpler, Hirten und Bauern, deren Vieh nach rund 100 Tagen von den Alpen zurück ins Tal kehrt. Und natürlich fasziniert auch die Veranstaltung an sich: Das Schellengeläut ist bis ins Tal zu hören, wenn die Rinderherden ihre Sommerweiden verlassen. Schwer dampfend ziehen sie auf den Viehscheidplatz ein, begleitet vom Schellengeläut, dumpfen Trampeln und einer schweren Dunsthaube über den Tierleibern. Verlief der Alpsommer unfallfrei, führt ein hübsch geschmücktes Kranzrind die jeweilige Herde an – und die Bevölkerung fragt sich: Welche Alpe wird heuer wohl das schönste Kranzrind präsentieren können? Anschließend wird gefeiert und auch dabei sind nicht nur Einheimische, sondern auch Gäste willkommen – sogar Fränkinnen wie ich ;-)! Lust auf eine Fahrt ins Allgäu bekommen? Dann empfehle ich einen Viehscheid-Besuch in Obermaiselstein am  Samstag, 22. September. Los geht es ab 9 Uhr.

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