"Schee woars“ bem Viehscheid

29. September 2013

Der Alpabtrieb in Obermaiselstein war in vielerlei Hinsicht ein toller Erfolg: Super Wetter, jede Menge Besucher, beste Stimmung, schöne Trachten und internationales Publikum. Hier nun – ein bisschen verspätet – noch ein Schwung Impressionen und Eindrücke!

Dieser Viehscheid ist der größte im Oberallgäu. Etwa 1200 Kühe und Kälber wurden bunt geschmückt und von den verschiedensten Alpen in der Umgebung ins Tal getrieben. Besonders schön anzusehen waren die Kranzkühe mit ihrem bunten, aufwändig und liebevoll geschmückten Kopfschmuck. Dieser ist ein Zeichen dafür, dass der Alpsommer für die angeführte Herde unfallfrei verlief, keine Kuh ernsthaft erkrankte, abstürzte oder gar vom Blitz erschlagen wurde. Die um den Hals gehängten Schellen der Kühe ergaben einen blechernen Sound, der bereits von weitem zu hören war und das Allgäuer Braunvieh ankündigte.

Die Senner und Sennerinnen in Tracht führten die Herde an; lauter gestandene Mannsbilder, teilweise noch mit ihren, während des Alpsommers gewachsenen Bärten. Passend dazu die hübschen Frauen mit geflochtener Frisur und sonnengebräunter Haut. Dazu die Hirten mit strammen Waden, voll im Einsatz, um zu verhindern, dass keine Kuh „aus der Reihe tanzt“. Jetzt war es nicht mehr weit zum Scheidplatz. Hier wurden die Kühe zunächst gesammelt und schließlich wieder auseinander sortiert, um sie den Besitzern nach dem Sommer auf der Alpe wieder zu übergeben. Bilder, wie sie zu den Hörnerdörfern passen und authentische Eindrücke einer ursprünglichen und in Ehren gehaltenen Heimattradition vermitteln.

Schon früh ergoss sich ein Besucherstrom aus nah und fern in die Straßen und Wege der Gemeinde. Nach wenigen Minuten Fußmarsch zeigte die zunehmende Dichte der Dirndln und Lederhosen, dass das Zentrum des Geschehens nicht mehr weit sein konnte. Ein buntes Potpourri aus Handwerks-, Souvenir- und Trachtenkleidungs- Ständen lud zum Verweilen, Informieren und Stöbern ein

Die Live- Musik einer oberbayrischen Band sorgte in der Nähe des größten Bierstandes und ziemlich in der Ortsmitte für allerbeste Stimmung. Die deftig-herzliche, oberallgäuer Volksfest-Atmosphäre animierte vorbehaltlos dazu, das Tanzbein zu schwingen, zu schunkeln, Kontakte zu knüpfen und zu flirten.

Kühles Helles wurde von den freundlichen Bedienungen in Maßkrügen gereicht und mundete den gut gelaunten Viehscheid-Begeisterten vorzüglich. Besonders nett anzuschauen waren zwei hübsche Amerikanerinnen in feinster Dirndltracht, die in bester Feierlaune mit deutschem Liedertext ihre einheimischen Sitznachbarn mächtig beeindruckten.

Auch an zahlreichen anderen „Hotspots“ herrschte allerbeste Stimmung. Zur Mittagszeit füllte sich das Festzelt; knusprige Brathendel, saftiger Leberkäs und knackige Bratwürstel dufteten um die Wette und regten zum kulinarischen Gaumenschmaus an. Abends wurde es richtig voll. Eine feuchtfröhliche Atmosphäre kam auf, die locker mit der Bierzeltstimmung auf dem Münchner Oktoberfest mithalten konnte. Die Blaskapelle alleine war schon den Festzeltbesuch wert.

Eine Vielzahl von weiteren Highlights, wie zum Beispiel die Prämierung der schönsten Prachtschelle, ließen keine Langeweile aufkommen. Bei bester Laune, großartigen Tanzdarbietungen und bierseligen Schunkeleinlagen wurde bis tief in die Nacht gefeiert. Der hell leuchtende Vollmond war ein guter Begleiter für die vielen Nachtschwärmer, die sich schließlich auf den von Kuhfladen weich gepolsterten Heimweg machten.

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