Radeln in den Alpgärten – aber bitte ganz entspannt!

28. April 2014

Vor langer Zeit habe ich einmal ein Foto gesehen. Bei der Tour de France hatten Fans einen Anfeuerungsspruch für die Rennradler auf die Straße gemalt: „Quäl dich!“ stand da in roten Lettern auf dem Asphalt. Gut, es war ein Wettkampf, aber ganz ehrlich? Für mich wäre das keine Motivation. Denn wenn ich auf dem Rad in der Natur unterwegs sein will, möchte ich das entspannt tun und mich nicht auf einer Tour de Force abmühen. Wie gut, dass die Radwege in den Hörnerdörfern so viele unterschiedliche Etappen bereithalten, damit nicht nur ambitionierte Sportler auf ihre Kosten kommen, sondern auch Genussfahrer.

Auf den Gipfeln der hohen Lagen liegt noch Schnee, aber rund um die Hörnerdörfer ist es Frühling

Es war ein später, sonniger Vormittag Ende März, als ich mich auf den Weg in die Hörnerdörfer machte. Ausgesucht hatte ich eine etwa 20 Kilometer lange Runde von Ofterschwang über Obermaiselstein, nach Fischen und entlang der Iller zurück. Die Strecke ist Teil des neuen Radwanderweges durch die Region, der „Radrunde Allgäu“ und führt hier komplett durch die „Alpgärten“. Die Alpgärten sind einer von neun Erlebnisräumen mit je ganz eigenen Landschaftsbildern, die man auf dem Radfernweg entdecken kann. Geschwungene Wiesen, sanfte Hügel durchzogen von Seen, von der weit strömenden Iller und kleinen Murmelbächlein liegen vor der Hörnerkette. Der Name passt perfekt – hier, rund um die Hörnerdörfer sieht die Natur aus wie ein großer, liebevoll gepflegter Vorgarten der Hochalpen.

Die Alpgärten auf der Radrunde Allgäu – Frühling mit Ausblick

Auf zwei Reifen durch die Alpgärten

Ich bin schon auf der Herfahrt begeistert. Die Luft ist klar, ich fahre auf der Bundesstraße 19 mit jedem Kilometer näher an dieses imposante Bergpanorama heran und nicht mehr lang, dann bin ich mittendrin. Nach der Ausfahrt Sonthofen finde ich rasch die Straße in den Ofterschwanger Ortsteil Westerhofen. Am Ortsende suche ich mir einen Parkplatz, ab jetzt geht es auf zwei Reifen weiter. Ausgangspunkt ist der Wegweiser an der Ortsinformation. Das Radrunde Allgäu-Logo zeigt einen stilisierten weißen Fahrradreifen auf dunkelblauem Quadrat und – wie ich später noch oft sehen werde –manchmal weisen zwei Pfeile für dasselbe Ziel in unterschiedliche Richtungen. Das ist so gewollt, denn der Fernradweg ist ja gerade nicht als Strecke von A nach B sondern als ein Netz konzipiert, damit man sich seine Variante ganz nach Gusto zusammenstellen kann.

Die Markierung der Radrunde Allgäu ist gut zu erkennen: ein weißer Reifen auf blauem Quadrat

Die Markierung der Radrunde Allgäu ist gut zu erkennen: ein weißer Reifen auf blauem Quadrat

Ich biege nach ein paar Metern auf der Straße auf den Feldweg Richtung Muderbolz ab, dann kommen Dietrichs und Untermühlegg und nach lichten Wäldchen und ganzen Teppichen von Buschwindröschen an den Bächen, die sich am Rand des Tiefenberger Mooses schlängeln, erreiche ich Bolsterlang. Es ist ruhig und friedlich hier, richtig gemütlich, obwohl hinter den Kulissen wohl emsig gearbeitet wurde: Gärten sind von der Winterverpackung befreit, die Balkone schmücken sich mit Frühlingsblumen und die Bergbahn wird für den Sommer gerüstet, damit sie bald schon Wanderer statt Wintersportler nach oben befördert. Es zieht mich vorerst aber gar nicht weiter rauf, denn das Hochplateau um Bolsterlang erstreckt sich bis Obermaiselstein und die Panoramaaussicht auf das Illertal und den Allgäuer Hauptkamm ist wahrlich keine Frage von zusätzlichen Höhenmetern.

Sanfte Hügelkuppen vor den Alpen

Sanfte Hügelkuppen vor den Alpen

Genussradeln in den Bergen

Sattsehen geht nicht, auf dem Weg von Sonderdorf nach Obermaiselstein. Jede Biegung, jede Kurve verändert wieder den Blick auf die Bergsilhouette und das Beste daran: es geht hier leicht abwärts, so dass man meistens genüsslich rollen und gucken kann. Im Übrigen sind alle Erhebungen auf der Strecke weder besonders steil noch besonders lang – ich habe sogar vermutet, dass es sich dabei um absichtlich eingebaute Steigungen handelt, weil man für den Preis ein paar kräftigerer Pedaltritte gleich mit langen, sanften Hängen belohnt wird, die man hinuntersausen kann.

Radeln auf dem Hochplateau heißt Panoramaaussicht auf jedem Meter

Frischer Rastplatz an der Bolgenach

In Obermaiselstein trifft man auf ein tolles Naturphänomen. Am Tunnel vor dem Riedbergpass stürzt die Bolgenach rauschend einen Wasserfall bergab. Darüber führt eine überdachte Holzbrücke. Selbst ein laues Lüftchen wie am heutigen Tag nimmt eine gute Portion der Gebirgswasserkühle auf und sorgt auf der Brücke immer für frischen Wind im Gesicht. Eine naturgemachte Frischekur, die man sich nicht entgehen lassen sollte. An einem heißen Sommertag wäre das der perfekte Platz für eine Rast.

Ein frischer Rastplatz für einen heißen Tag an der Bolgenach

Ein frischer Rastplatz für einen heißen Tag an der Bolgenach

 

Eine Holzbrücke führt über die Bolgenach

Eine Holzbrücke führt über die Bolgenach

Apropos Rast. Man sollte ein dickes Vesperpaket einpacken. Nicht etwa, weil man erschöpft auftanken muss, sondern weil man erschöpfend betrachten will. Überall findet man Bänke und Baumstümpfe für eine kleine Pause und die stehen nicht irgendwo. Sie sind immer so ausgerichtet, dass sich vor einem die beste Aussicht eröffnet. Deshalb seien die Bänkelein hiermit auch allen Fotografen ans Herz gelegt, die eine gute Stelle für ihr Objektiv suchen.

Lauschige Plätzchen laden überall in den Hörnerdörfern zu einer Rast ein

Lauschige Plätzchen laden überall in den Hörnerdörfern zu einer Rast ein

Ein gemütliches Plätzchen in den Hörnerdörfern

Ein gemütliches Plätzchen in den Hörnerdörfern

Nun kommt Ried und Maderhalm auf meinem Weg und dann wartet schon Fischen.

 

Nach Maderhalm geht es gemütlich bis Fischen im Allgäu

Nach Maderhalm geht es gemütlich bis Fischen im Allgäu

Mit dem Fahrrad durch ein Bilderbuch

Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch geschnitten. Sonnige Plätze mit Café-Terassen, kleine Läden mit feinem Sortiment und die Eisdiele mit diesem sagenhaft schokoladigen Schokoeis, wollen mich partout vom Weiterfahren abhalten. Doch ich bleibe stark, bestelle „in der Waffel“ und balanciere das Rad, das Eis und mich durch den Ort zur Iller. Ab hier verläuft nämlich meine Tour auf dem Iller-Radweg. Immer mit dem Wasser pedaliere ich Sonthofen entgegen. Kiesbänke, weite Wiesen vor lichten Auwäldern auf denen Störche nach Futter staksen und auf dem geschottert ebenen Illerdamm hat man Schmetterlinge als Weggefährten. Das Prädikat “traumhaft schön“ ist für diesen Radweg eine glatte Untertreibung.

Das Panorama an der Iller genießen nicht nur die Störche

Das Panorama an der Iller genießen nicht nur die Störche

Die Iller fließt vor traumhafter Kulisse

Die Iller fließt vor traumhafter Kulisse

Vier Sterne für die Radrunde Allgäu

Sieht übrigens auch der ADFC so. Deshalb hat der Fahrradclub die Radrunde Allgäu prompt als Vier-Sterne-Qualitätsrunde zertifiziert. Das bedeutet auch, dass man bei längeren Etappen gut versorgt ist: Reparatur-Stationen, Radl-Fachgeschäfte und Gastbetriebe, die extra auf Radler eingestellt sind sorgen für Rundumservice. Für lange Touren, wenn man vielleicht sogar die gesamten 450 Kilometer der Radrunde abfahren will, bietet sich außerdem der Allgäu Shuttle an. Dann fährt das Gepäck ans gewünschte Etappenziel voraus und man radelt ihm unbeschwert hinterher. Wer diesen Komfort noch weiter steigern möchte, leiht sich ein E-Bike und lässt sich von elektrischem Rückenwind beflügeln. Die Tourist-Infos helfen gern mit Adressen von Verleihstationen und Terminen für Schnuppertouren weiter.

Auf dem Illerdamm fährt es sich von selbst und man hat viel Zeit für Wolkenbetrachtungen

Auf dem Illerdamm fährt es sich von selbst und man hat viel Zeit für Wolkenbetrachtungen

Meine Alpgärten-Tour führt mich auf Höhe Sigishofen zurück nach Westerhofen und zu meinem Auto. Mit einem letzten Blick rundum sauge ich diese herrliche Spätnachmittagsatmosphäre auf und bin mir sicher, dies war nicht meine letzte Etappe.

Berge, Wasser, Frühlingswiesen – die perfekte Radltour in den Hörnerdörfern

Berge, Wasser, Frühlingswiesen – die perfekte Radltour in den Hörnerdörfern

Auf dem Heimweg beschließe ich, den Veranstaltern der Tour de France bei Gelegenheit die Hörnerdörfer als Austragungsort vorzuschlagen 🙂
Nicht ganz so lang, aber wunderschön und für niemanden muss „Quäl dich!“ auf die Wege geschrieben werden.

Liebe Grüße
Eure Susanne vom Team Hörnerdörfer

Infos rund ums E-Biken, Radfahren & Mountainbiken mit Online-Tourenplaner: http://www.hoernerdoerfer.de/mountainbike-und-radfahren

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