Nagelfluh und 1000 Jahresringe – Der Trilogierundgang in Balderschwang

30. Juni 2014

Meine Schritte führen mich auf einen neuen Wanderweg rund um Balderschwang. Einem Weg, der die Geschichte des Ortes erzählt und die typische Landschaft der so genannten „Alpgärten“ eröffnet. Nicht umsonst ist Balderschwang Etappenort dieses Themenraums, den es auf dem neuen Allgäuer Weitwanderwegenetz zu entdecken gibt. In Balderschwang findet man die Paradelandschaft für diesen Naturraum der Älpler, Hirten und Kühe.

Auf dem Riedbergpass

Auf dem Riedbergpass

Der erste Blick in die Landschaft der "Alpgärten"

Der erste Blick in die Landschaft der „Alpgärten“

Ab Fischen sind schon merklich weniger Autos unterwegs und auf dem Riedbergpass begleitet mich nur noch ein Laster einer Allgäuer Brauerei, der mich nach den ersten Kilometern enger, klitzekleiner Kurven, freundlicherweise an einer Ausweichbucht vorbeiziehen lässt. Links und rechts der Straße tut sich eine imposante Landschaft auf, die man gerne etwas länger betrachtet, während man sich die Serpentinen hinaufschlängelt.

Das Balderschwanger Tal

Das Balderschwanger Tal

Auf Spazierwegen den Himmel erstürmen

Ich will den kleinen Rundweg wandern, der innerhalb der Wandertrilogie Allgäu, um das ruhige Bergdorf führt. Hier verläuft die Himmelsstürmer-Route des neuen Weitwanderwegenetzes. Insgesamt ist diese zwar 333 Kilometer lang und führt zum Teil auch in wesentlich höhere und schroffere Lagen, aber ich möchte lieber Spazierwandern und Sonne und Landschaft genießen.

Der Willkommensplatz der Wandertrilogie in Balderschwang

Der Willkommensplatz der Wandertrilogie in Balderschwang

An der Kirche kann ich das Auto parken und gleich daneben empfängt mich der Trilogie-Platz. Balderschwang ist nämlich ein sogenannter Etappenort der Wandertrilogie und zeigt mir dort, worauf ich mich entlang des Weges freuen darf: die Landschaft der Alpgärten, Nagelfluhfelsen und eine uralte Eibe. Bei Sonnenschein und nahezu hochsommerlichen Temperaturen marschiere los, in Richtung Untere Balderschwanger Alpe.

 

Auf dem Weg zur alten Eibe

Auf dem Weg zur alten Eibe


Der alte Herr Baum – die Eibe von Balderschwang

Nach kurzer Zeit sieht man sie schon: Die alte Eibe von Balderschwang. Mächtig und dunkelgrün steht sie am östlichen Ortsrand. Die eigene Lebenszeit wird zum Wimpernschlag, wenn man sich vorstellt, dass dieser mächtige Baum bei der Besiedelung des Tals im 16. Jahrhundert schon einige Hundert, wenn nicht gar Tausend Jahre an diesem Ort wuchs. Ganz genau könnte man sein Alter nur durch das Zählen der Jahresringe angeben, aber der alte Herr (es ist nämlich eine männliche Eibe) ist noch quicklebendig, deshalb schätzen Experten ihn „von außen“ auf 2000 bis 4000 Lenze. So oder so ist der Taxus baccata – das ist sein offizieller botanischer Name – damit wahrscheinlich eine der ältesten Eiben Deutschlands.

Ein mächtiger, knorriger Doppelstamm

Ein mächtiger, knorriger Doppelstamm

Die Sonne gleißt durch die sattgrünen Nadeln

Die Sonne gleißt durch die sattgrünen Nadeln

Es geht ein paar Schritte zurück zur Weggabelung, wo ich einem grasbewachsenen Höhenweg nach Gschwend folge. Die Sonne im Rücken werde ich von neugierigen „Schumpen“, das sind die jungen Kühe, begleitet.

Die Schumpen beobachten mich neugierig

Die Schumpen beobachten mich neugierig

Naturschönheit aus Stein – der Nagelfluh

Im Balderschwanger Tal, wo das Allgäu und der Bregenzerwald aufeinandertreffen, hat sich über die Jahrhunderte eine großartige Kulturlandschaft entwickelt. Viele unterschiedliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen auf engstem Raum und geprägt vom Nagelfluhgestein. Diese Kombination ist einmalig, deshalb wurde das Gebiet 2008 auch zum Naturpark Nagelfluhkette erklärt und Balderschwang ist das einzige der Hörnerdörfer, das komplett im Naturpark liegt.

Nagelfluhfelsen auf den Alpwiesen

Nagelfluhfelsen auf den Alpwiesen

Die Kühe interessieren sich aber mehr für das saftige Gras zwischen dem Nagelfluh

Die Kühe interessieren sich aber mehr für das saftige Gras zwischen dem Nagelfluh

Die großen Felsstücke aus Herrgottsbeton, wie man das Nagelfluh-Konglomerat gerne nennt, machen sich wirklich dekorativ auf dem Hang zu meiner Rechten.
Ich erreiche einen lichten Wald und darin plätschert ein kleiner Wasserfall. Obwohl es noch früh ist, tut die kühle Frische richtig gut.

Der Wasserfall im Tobel

Der Wasserfall im Tobel

Herrlich kühl und eine kleine Bank lädt zur Rast ein

Herrlich kühl und eine kleine Bank lädt zur Rast ein

In Gschwendt folge ich nicht der Hauptstraße zurück nach Balderschwang, sondern gehe etwa auf Höhe der Liftanlage nach unten zur Bolgenach.

Schotten im Allgäu?

Eigentlich sollte ich jetzt dem Fluss in nördlicher Richtung folgen, aber auf einer Weide entdecke ich etwas, das mir einen kleinen Abstecher wert ist: Schottische Hochlandrinder. Im Vergleich zu den Rotbunten, den Simmentalern oder den Allgäuer Braunen, die überall in den Hörnerdörfern auf den Alpen grasen, sind das schon ungemein haarige Genossen. Sie haben Junge und deren Fell ist noch kurz und so zerzaust, dass sie wie wollige, kleine Bärchen wirken. Ein putziger Anblick und ihre Frisuren könnten glatt zum nächsten Haartrend werden.

Wolliger Geselle - ein junges schottisches Hochlandrind

Wolliger Geselle – ein junges schottisches Hochlandrind

Ein lässiger Pony in Rotbraun - der neue Haartrend?

Ein lässiger Pony in Rotbraun – der neue Haartrend?

Jetzt aber tatsächlich zum Fluss und über einen schönen ebenen Spazierweg zurück ins Dorf schlendern. Die Wiesen duften, Bäume tragen frisches saftiges Laub, die Sonne gibt dem Grün einen goldenen Glanz und zaubert Millionen spiegelnder Reflexe auf das Wasser.

Lichtreflexe auf der Bolgenach

Lichtreflexe auf der Bolgenach

Ich erreiche den großen Parkplatz vor der Schelpenalpe. Balderschwang schmiegt sich in die sattgrünen Wiesen. Auf den Höhenzügen rundherum findet man zehn Sennalpen, die ihre Türen für Wanderer und Mountainbiker geöffnet haben.

Blühende Erinnerungen an einen traumhaften Ausflug

Wieder zeigt mir ein „Trilogie-Infopunkt“, eine für jeden Ort individuell gestaltete Stele, aus Nagelfluh und warmem, rotbraunen Holz, dass ich mich auf einem Weg der Wandertrilogie befinde. Kurz vorher nehme ich noch ein Edelweiß mit. Nein, ich habe es natürlich nicht gepflückt, schließlich steht es unter Naturschutz! An einem kleinen Stand kann man aber Töpfe mit Edelweiß, Enzian, Hauswurzen und anderen alpinen Pflanzen kaufen, um sie zuhause in den Steingarten zu pflanzen. Mit dieser blühenden Erinnerung laufe ich den Fußweg zurück, gelange direkt auf den Platz hinter der Kirche und zu meinem Auto.

Geschnitten und poliert macht sich Nagelfluhgestein sehr dekorativ als Trilogie-Infopunkt

Geschnitten und poliert macht sich Nagelfluhgestein sehr dekorativ als Trilogie-Infopunkt

Edelweiß steht unter Naturschutz...

Edelweiß steht unter Naturschutz…

... aber man kann es hier für den Steingarten kaufen.

… aber man kann es hier für den Steingarten kaufen.

Nagelfluh und Jahresringe, Wasserfall und Sonnenflecken, Schumpen und Edelweiß – der Trilogierundgang in Balderschwang dauerte nur einen Vormittag, aber die wundervollen Eindrücke behalte ich für immer.

Ein letzter Blick ins Balderschwanger Tal

Ein letzter Blick ins Balderschwanger Tal

Herzliche Grüße
Eure Susanne vom Team Hörnerdörfer

2 Antworten zu “Nagelfluh und 1000 Jahresringe – Der Trilogierundgang in Balderschwang”

  1. Wirklich eine sehr schöne Tour. Sind wir auch schon öfters mit unserer Familie gewandert und haben wir auch schon Kunden von unserem Reisebüro empfohlen! Tolle Seite übrigens.

  2. …schöne Impressionen ! Vorfreude flammt auf !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.