Tag 5 Abschied auf der Höfle Alp

05. August 2012

Die Lust aufs Leben

Kontraste. Zaghafte Rückkehr in mein altes Leben.

Eben war ich noch Sennerin auf Zeit, habe in der Käseküche geputzt und Rosmarie beim Kässpätzle machen zugeschaut und nun sitze ich – gerade einmal 200 Meter Luftlinie entfernt – in einem 4 Sterne Luxushotel, schaue den Gästen beim Aquafitness zu und fühle mich deplatziert. Was würde wohl Rosmarie zu den freiwilligen Anstrengungen der Damen im Pool sagen? Auf der Alp ist Sport, um sich fit zu halten, nun wirklich nicht nötig.

Als ich den Koffer öffne, steigen mir bekannte Düfte in die Nase, welche ich schon kurz nach meiner Ankunft auf der Alpe nicht mehr wahrgenommen hatte … nun wirken sie auf mich wie ein Abschiedsgruß.
Eine Woche war ich Teil eines Lebens, geprägt von Einfachheit und Funktionalität. Um 5.30 Uhr beginnt der Tag im Stall, von 6.30 – 12.30 Uhr sind Klaus und Anka in der Sennerei beschäftigt (37 Kühe = ein paar Päckchen Butter, drei Laib Käse und Molke für die Schweine täglich) während sich Rosmarie und die Hirten Maik, Raphael und Christian um den Stall und das Vieh kümmern. Am Nachmittag müssen die  Voraussetzungen geschaffen werden: mähen, heuen, schleifen, Holz spalten, stapeln, usw. … um ca. 17.30 wollen die Kühe wieder in den Stall, noch mal melken, Milch vorbereiten für morgen, putzen. Der Tag endet um ca. 21 Uhr – wenn man Glück hat früher, meinte Klaus. Gegessen wird viermal am Tag, zubereitet von Mama Rosmarie, die sich zwischen Stall und Küche auch noch um ihren Mann kümmert.

Da bleibt keine Zeit für Müßiggang, keine Zeit, sich zu beschweren. Die Kühe müssen versorgt, die Milch verarbeitet und die Felder gepflegt werden, ob man nun Lust hat oder nicht … und das auch am Wochenende. Gedanken wie, wann kann ich mir endlich den fehlenden Designerstuhl kaufen oder welches exotische Reiseziel steht in den nächsten Wochen an, wirken plötzlich völlig absurd. Hier werden die Prioritäten anders gesetzt.

Ich hatte eine tolle, eindrucksvolle Woche. Ich habe viel Neues erfahren, gelernt und verstanden, meine Angst vor den Kühen verloren, aber nicht den Respekt. Respekt auch vor den Menschen, die mich herzlich bei sich aufgenommen hatten und mir einen Einblick in eine völlig fremde Welt ermöglichten:

Lieben Dank an meine Älpler Klaus, Rosmarie, Kaspar, Anka, Christian, Raphael und Maik, an Klara und Anja für das großartige Privatkonzert und an Max, für den Bogenschießkurs, dem Hotel Hubertus in Balderschwang, die nicht nur meine Internetprobleme, sondern auch meine Muskelverspannungen gelöst haben und an Andrea & die Hörnerdörfer, die mich als Sennerin auf Zeit ausgewählt und sich rührend um mich gekümmert haben.

Ein Leben auf der Alp für immer kann ich mir nur schwer vorstellen, auf Zeit immer wieder. Sicher kann ich behaupten, dass die Woche mich und meinen Blick auf die wichtigen Dinge des Lebens ein klein wenig verändert hat.

 

3 Antworten zu “Tag 5 Abschied auf der Höfle Alp”

  1. suse sagt:

    sehr schön! wo muss ich mich bewerben? 🙂

  2. … ich würde mich auch gleich wieder bewerben. War eine tolle Erfahrung. Wie sieht es aus, liebe Hörnerdörfer? Gibt es eine Fortsetzung?

    • Hörnerdörfer im Allgäu sagt:

      Wir sind über den Erfolg unserer Sennerin und unseres Senn sehr glücklich. Das Projekt ist einzigartig und eine direkte Wiederholung würde den Reiz dieser Thematik nehmen. Außerdem sollte es doch spannend bleiben in den Hörnerdörfer, oder? Wir sind schon kräftig am Überlegen, was wir im nächsten Jahr anstellen können!

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