Senn auf Zeit – Tag vier

06. Juli 2012

Von der Weide in den Stall - die Milchlieferanten wollen gebeten sein

Heute Morgen wache ich von selbst auf. Es ist kurz nach vier Uhr. Vom Hahn ist nichts zu hören. Schläft er noch oder hat ihn das gleiche

Schicksaal ereilt wie zwei Jungenten, die seit wenigen Wochen auf der Alpe zuhause waren? Ein Fuchs hatte sich über Nacht den Magen vollgeschlagen. Pünktlich um viertel vor fünf stehe ich mit dem Hirten Markus oben auf der Bergwiese. Die Kühe sind weit verstreut. Daraus ergeben sich Laufwege, die am steilen Weidehang nicht zu unterschätzen sind. Als ich mit mehreren Kühen schon recht weit unten bin, höre ich plötzlich von oben herab Kuhglockengebimmel. Ich blicke hoch und sehe zwei der braunen Vierbeiner.

Die noch schwach leuchtende Silhouette des nächtlichen Vollmondes steht direkt über den beiden und lässt, trotz des Gedankens da jetzt nochmals hoch zu müssen, so etwas wie Cowboy- und Western-Romantik aufkommen. Prima, eben taucht Markus neben einem kleinen Wiesenhügel auf. Er steht strategisch günstiger, nämlich noch ein gutes Stück über mir und ist damit näher dran. Es ist nun seine Aufgabe, die beiden Rindviecher nach unten zu treiben. Da es gestern Abend gewittert und heftig geregnet hat, dampft die Bergwiese an manchen Stellen. Ein Hauch von Nebel wabert über die Senkungen, einen kräftigen Duft nach frischem Gras und Alpenkräutern nehme ich an diesen Stellen besonders intensiv wahr.

Es ist mal ein anderes Parfüm für meine Nase. Im Käsekeller werden die verschiedenen Käsesorten, -jeden Tag- gewendet und mit Salzlake oder Quellwasser von Hand oder mit einer Rundbürste eingerieben. Markus und ich übernehmen diese Aufgabe. Er hat eine Überraschung für seine Freundin vorbereitet. In sorgfältiger Handarbeit und mit einer eigens hergestellten Form hat er zwei Romadourkäse in Herzform kreiert, die er seiner Liebsten übereichen will. Der Käse muss noch ca. 10 Tage reifen, dann kann er übergeben werden. Wenn man bedenkt, wie oft diese Spezialität bis zur Reife durch seine Hände gegangen und mit Wasser oder Salzlake gestreichelt worden ist, kann man durchaus von einem überzeugenden Liebesbeweis sprechen.

Heute Nachmittag steht für mich eine vierstündige Mountainbike- Tour mit dem Bolsterlanger Mountainbike- Guide, Gerhard Speiser, an. Die Tour wurde auf meinen Wunsch hin von Hörnerdörfer Tourismus organisiert und ist als zusätzliches Rahmenprogramm gedacht. „Lästermäuler“ behaupten, man könne es auch als Training und weitere Ertüchtigung im Zusammenhang mit den anfallenden Arbeiten auf der Alm betrachten. Gerhard schlägt mir einen Rundkurs vor und beschreibt diesen anschaulich. Seine Schilderungen hören sich gut an. Ich akzeptiere sofort und wir legen los. Das Wetter ist noch schön, es ist aber etwas schwül. Bei den Steigungen kommt man ins Schwitzen. Beim Bergabfahren kühlt man durch den Fahrtwind schnell wieder ab.

Ein Stakkato von landschaftlichen Reizen bildet die Kulisse für diese Tour. Gepflegte Dörfer wechseln sich ab mit grünen Auen und kleinen überschaubaren Waldflächen. Das Rubihorn bildet mit seiner gewaltigen Nordflanke einen majestätischen Fixpunkt. Richtet man den Blick nach Süden, Richtung Oberstdorf, ragen Berge um die 2.600 Höhenmeter in den Himmel. Die bergigen Nachbarn Mädelegabel und Trettachspitze grüßen aus der Ferne.Im Westen gibt sich die Hörnerkette etwas bescheidener. Lieblich wirkende Gipfel bis ca. 1.700 Höhenmeter grenzen das Tal in diese Richtung ab. An seinem Funkmast ist der Grünten, der „Wächter des Allgäus“, in nördlicher Richtung gut zu erkennen. Beim Befahren der ebenen Fahrradwege an der Iller kann man so richtig entspannen und Kräfte sammeln. Ein möglicher Anstieg auf die Schöllanger Burg dürfte, für halbwegs Trainierte, dann kein Problem mehr sein. Man kann den Schwierigkeitsgrad problemlos variieren. Ausgangspunkt ist Bolsterlang, dann geht es weiter über Bauhof, einem Ortsteil v. Bolsterlang, Dietrichs, Muderbolz, Tiefenberger Moos, Weiler, hoch zur Schöllanger Burg (ganz ordentlicher Schwierigkeitsgrad!), Fischen, Untermühlegg, Golf Ressort Oberallgäu, hoch nach Obermühlegg (nicht zu unterschätzen!) und dann zurück nach Bolsterlang. Es ist ein Rundkurs mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, aber alles im Bereich des Machbaren. Eine durchschnittliche Kondition ist angebracht, es geht aber auch mit weniger Power, dann muss man halt mal schieben oder ein E-Bike ausleihen.

Heute Abend wird auf der Alm gegrillt. Mathias und Marion haben noch die Nachbarn von der Alpe Hinteregg eingeladen. Es ist sozusagen mein letzter Abend auf der Alpe Ornach, also eine Art Abschiedsgrillen. Es ist schön, im Kreise dieser Allgäuer Originale einen vergnüglichen Abend verbringen zu dürfen. Ich freu` mich drauf!

Mathias bei der Landschaftspflege

 

 

 

 

Eine Antwort zu “Senn auf Zeit – Tag vier”

  1. Maria Herrmann sagt:

    Mensch das ist ja irre wie schnell die Tage vergehen.
    Ich hab die Blogs ganz gerne gelesen. Sind sehr gut geschrieben.
    Überhaupt eine super Idee die Senn auf Zeit Aktion.
    Ich bin ein großer Fan der Hörnerdörfer!!!

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